Online-Rechner zur Bestimmung der Zugmasse von Modellbahnwagen
Zugmassen sind am einfachsten mit Kraftmessern oder Federwaagen bestimmbar. Alternativ kann auch über die Seilrolle die Zugkraft
eines motorisierten Modells bestimmt werden. Meistens schreckt der Modellbahner vor diesen Geräten zurück, sei es wegen ihrer
"Komplexität", ihres Preises oder des zu betreibenden Aufwands. Im Folgenden wird ein Onlinerechner vorgestellt, welcher
mit geringem Aufwand die für einen gegebenen Wagen benötigte Zugmasse in einer Annäherung bestimmt.
Theorie
Rollendes Material hat einen Fahrwiderstand, in welchem die Reibung zwischen Rad und Schiene sowie innerhalb der Achslager
zusammengefaßt sind. Dieser Fahrwiderstand kann aus dem Eigengewicht des Wagens und einem als wt,rel bezeichneten
Faktor, der als spezifischer Farhwiderstand bezeichnet wird und dimensionslos ist, errechnet werden. Der Fahrwiderstand setzt sich
zusammen aus dem Rollwiderstand und dem Reibungswiderstand im Achslager.
Fw = wt,rel*(FRoll + FReib)
Diese Widerstände sind als Kräfte zu behandeln (daher auch das Formelzeichen einer Kraft).
Der spezifische Fahrwiderstand ist der Quotient aus dem "Hebelarm der rollenden Reibung" (f) und dem Laufkreisdurchmesser
des Rades (R):
wt,rel= f/R*(Q+(Q+mRäder)+(r/R*m*Q))/(Q+mRäder)
mit mges = Q + mRäder, Ausklammern und Kürzen mit mges ergibt sich:
wt,rel= f/R*(2 - mRäder/mges + r/R*m
- mRäder/mges*r/R*m)
Der letzte Term ist vernachlässigbar gegenüber 2 (< 1%) und kann weggelassen werden.
Oben genannter Hebelarm läßt sich aus den Dimensionen des Rads bestimmen:
- Im Zentrum der Drehachse der Radachse greifen die Gewichtskraft Q und senkrecht dazu P (=mQ) an.
- Vektoraddition beider Kräfte ergeben R, der im Winkel tanr = P/Q zur Gewichtskraft steht.
- Am Radius r der Achse wirkt die Gegenkraft R-1 die im Abstand sin(arctan(r))*r von der
verlängerten Strecke (QZ) sich befindet
- Dieser Abstand ist der oben genannte "Hebelarm der rollenden Reibung": f = sin(arctan(m))*r
Nach Kürzen um die Erdbeschleunigung erhält man die benötigte Zugmasse:
mZug = wt,rel * mges
Zur Berechnung der für einen Wagen benötigten Zugmasse sind nun vier Werte notwendig:
- Die Gesamtmasse mges in g
- Die Masse aller Radsätze mRäder in g
- Der Laufkreisradius R der Räder in mm
- Der Achsradius im Lager r in mm (bei Spitzlagerachsen ist die Spitze zu messen)
Für den Koeffizienten m gelten folgende Werte in guter Näherung:
- 1,00: Haftreifen
- 0,60: ölige Haftreifen
- 0,30: Plastikreifen
- 0,20: ölige Plastikreifen
- 0,17: Metall-Metall ungeschmiert
- 0,15: Metall-Metall geschmiert
- 0,13: Metall-Kunststoff ungeschmiert
- 0,12: Metall-Kunststoff geschmiert
Schrifttum
F. Sass, Ch. Bouche, A. Leitner, "Dubbel's Taschenbuch für den Maschinenbau", 12. Auflage 1963, Springer-Verlag ohG,
Berlin/Göttingen/Heidelberg
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